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Benetzung von Sojablättern in Abhängigkeit der Konzentration eines Tensids.

Zusatzstoffe in Sprühdüngern

Sprühdünger beinhalten nicht nur Nährstoffe, sondern es werden Zusatzstoffe, sogenannte Additive, in die Formulierungen beigemengt. Additive kommen eigentlich aus dem Bereich des Pflanzenschutzes. Sie stellen Leerformulierungen dar, die selbst keine Wirkstoffe enthalten. Allerdings verändern Zusatzstoffe die Wirkung von Pflanzenschutzmitteln bzw. Sprühdüngern, wenn sie diesen zugesetzt werden.

Definition laut Pflanzenschutzgesetz

Additive oder auch Zusatzstoffe genannt, sind laut § 31 c PflSchG   „Stoffe, die dazu bestimmt sind, Pflanzenschutzmitteln zugesetzt zu werden, um ihre Eigenschaften oder Wirkungen zu verändern, ausgenommen sind Wasser und Düngemittel im Sinne des Düngemittelgesetzes“. Zusätzlich dürfen sie „in der Formulierung, in der die Abgabe an den Anwender vorgesehen ist, nur in den Verkehr gebracht werden, wenn sie die Anforderungen nach § 31 Abs. 1 Nr. 1 erfüllen und in eine Liste des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit über Zusatzstoffe aufgenommen worden sind“.

Die Entscheidung über die Aufnahme in die Liste wird hinsichtlich möglicher schädlicher Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier und den Naturhaushalt, getroffen.

Wirkungsweisen von Additiven

Additive lassen sich in drei Wirkungs-Gruppen klassifizieren. Es finden sich jedoch immer wieder Überschneidungen, da die entwickelten Additive mehrere Wirkungsweisen beinhalten.

  1. Superspreader oder Superspreiter: Sie zählen zu den oberflächenaktiven Substanzen und verändern die Oberflächenspannung so, dass der Tropfen zerfließt und sich als dünner Film auf die Blattoberfläche legt.
  2. Penetrationsförderer: Sie fördern die Penetration durch die Cuticula, in dem sie die Wachsschicht aufweichen. In geringem Maße setzen Penetrationsförderer auch die Oberflächenspannung herab.
  3. Haftmittel: Der Wirkungsmechanismus beruht auf der Verbesserung der Haftung der Lösung an der Blattoberfläche. Es soll vor allem die Regenfestigkeit erhöht und dadurch ein längerer Wirkungszeitraum gewährleistet werden.

Für die Blattdüngung sind zu den genannten Additiven auch solche Zusätze von großer Bedeutung, die die Deliqueszenz Humidity einer Lösung vermindern. Der Deliqueszens-Punkt beschreibt die Luftfeuchtigkeit bei der ein Stoff in Lösung geht. Setzt man in einem Blattdünger den Deliqueszens-Punkt durch Zusätze runter, können die Nährsalze durch das vorhandene Wasser in der Luft länger in Lösung bleiben.

Nehmen wir mal ein Beispiel: Wir haben in unserem Gewächshaus oder im Freiland eine Luftfeuchtigkeit von 40%. Borsäure beispielsweise hat einen Deliqueszens-Punkt von 98%. Das heißt, sobald der Sprühdünger eingetrocknet ist, liegt die Borsäure als Salz auf der Blattoberfläche. Steigt die Luftfeuchtigkeit auf 98% wird das Salz wieder in Lösung gehen. Setzt man der Borsäure-Sprühdünger-Lösung ein Additiv zu, das den Deliqueszenspunkt herabsetzt auf 35%, dann bleibt bei einer Luftfeuchtigkeit von 40%, die Borsäure in Lösung und kann vollständig in das Blatt gelangen.

Wirkstoffe in Additiven

Additive setzen sich aus unterschiedlichen chemischen Substanzen zusammen, die ihre Eigenschaften bestimmen. Die zwei Hauptgruppen bilden die Tenside und lipophilen Stoffe.

  1. Tenside: Das erste vom Menschen hergestellte Tensid ist die Seife. Die Funktion von Tensiden wird durch ihr besonderes Aufbauprinzip deutlich. Sie bestehen aus einem hydrophoben (unpolaren, lipophilen) Kohlenwasserstoffrest und einer hydrophilen (polaren, lipophoben) Gruppe. Ab einer gewissen Konzentration von Tensiden im Wasser, ordnen sie sich in Form von kleinen Tröpfchen an, die Mizellen genannt werden. Hier sammeln sich die hydrophoben Gruppen der Tenside im Innern und die hydrophilen Gruppen ragen ins Wasser. Im Innern der Mizellen können nicht-wasserlösliche Substanzen gebunden werden. Auf diese Weise lassen sich z.B. nicht miteinander mischbare Flüssigkeiten, wie Wasser und Öle, mischen. Tenside haben noch zwei weitere positive Eigenschaften. Sie reduzieren die Oberflächenspannung und ihre lipophilen Molekülanteile setzen sich in die Wachsschicht der Blattoberfläche und begünstigen so die Aufnahme.

    Auf diese Weise wird auch die Adsorption verbessert.

  2. Wachse, Öle und artverwandte Stoffe: Öle und Wachse zählen ebenso wie die Fette zur Naturstoffklasse der Lipide. Lipide können nicht in Wasser gelöst werden und sollen die Haftung von Pflanzenschutzwirkstoffen bzw. Nährstoffen auf der Pflanzenoberfläche verbessern. So wird im Freiland das Abspühlen durch Regengüsse verhindert.