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Was Cannabis zur Medizin macht

Seit einem Jahr dürfen alle Ärzte in Deutschland Cannabis legal an Patienten verschreiben. Warum die Politik diesen Schritt unternommen hat und warum sich Cannabis als wirkungsvolle Medizin immer größerer Beliebtheit erfreut, lest ihr in diesem Artikel.

Seit einem Jahr dürfen alle Ärzte in Deutschland Cannabis legal an Patienten verschreiben. Basierend auf den ärztlichen Rezepten sollen dann Krankenkassen entsprechende Kosten für den Erwerb von Cannabis in Apotheken übernehmen. Eine medizinische Begründung muss dabei vorliegen. Von der im März 2017 in Kraft getretenen Gesetzesänderung sollen Menschen profitieren, die unter starken, chronischen Schmerzen, Spastiken und anderen schweren Krankheiten leiden.Bisher haben deutschlandweit mehr als 13.000 Versicherte bei ihren Krankenkassen Anträge zur Kostenübernahme eingereicht. "Aktuell liegt die Genehmigungsquote bei etwa 83 %" so Sebastian Bader, Pressereferent bei der AOK-Baden- Württemberg.

Ausschlaggebend für die Gesetzesänderung war die Tatsache, dass Patienten mit Cannabis Erfolge erzielten, wo mit herkömmlichen Arzneimitteln keine Besserung erreicht werden konnte. "Schwerkranke Menschen müssen bestmöglich behandelt werden", sagte Gesundheitsminister Hermann Gröhe, der das Gesetz vorschlug. Patienten, die an einer schweren Krankheit wie Multiple Sklerose, chronischen Schmerzen, ernsthaftem Appetitverlust oder Übelkeit durch Chemotherapie leiden, können nun von ihren Ärzten verschreibungspflichtige Medikamente mit Cannabinoiden als Wirkstoff erhalten.

"Aktuelle Studien und Erfahrungsberichte zeigen eindeutig, dass Cannabinoide einerseits oft nur schwache Schmerzmittel sind, andererseits aber für bestimmte ausgewählte Patienten durchaus hilfreich sein können", so Prof. Dr. Michael Schäfer von der Deutschen Schmerzgesellschaft. "Diese Patienten sollten daher die Möglichkeit haben, eine solche Therapie zu versuchen, nachdem die empfohlenen Therapien versagt haben."

Die Einsatzmöglichkeiten von Cannabis-Medikamenten sind vielfältig. Helfen soll die Pflanze bei mehr als 50 Erkrankungen. Dabei wirkt Cannabis wie jedes Arzneimittel nicht bei jedem Menschen gleich. Es kann nicht nur Angstzustände beheben sondern auch Ängste oder gar Psychosen auslösen. Es kann Schmerzen lindern, und manchmal auch Kopfschmerzen verursachen und anstatt Übelkeit zu bekämpfen, können auch Unwohlsein und Brechreiz hervorgerufen werden.

Auch wenn die medizinische Wirkung von Cannabis – auf Grund ihres langjährigen Verbots – noch nicht umfassend erforscht ist, gibt es zahlreiche Studien, die dessen medizinische Wirkung bestätigen. Vordergründig verantwortlich sind die in den Blüten der weiblichen Pflanzen vorkommenden Cannabinoide und zu geringen Teilen auch Phenole. Die bekanntesten Cannabinoide sind das psychoaktive Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Da Letzteres nicht den rechtlichen Beschränkungen von THC unterliegt - die in Deutschland geltende gesetzliche Grenze für THC in CBD Produkten liegt bei 0,2% - findet es eine immer breitere praktische Verwendung. Die Tatsache, dass CBD-reiches Cannabis nicht-psychoaktiv oder weniger psychoaktiv als THC-dominante Stämme ist, macht es zu einer attraktiven Option für Patienten, die nach Linderung von Entzündungen, Schmerzen, Angstzuständen, Psychosen, Krämpfen und anderen Zuständen suchen, ohne Lethargie oder Dysphorie zu empfinden.

So wirken Cannabinoide im menschlichen Körper

Das menschliche Nervensystem besteht zum Teil aus dem Endocannabinoid-System mit den Cannabinoid-Rezeptoren CB 1 und CB 2 . Diese verteilen sich im ganzen Gehirn und Körper und sind an einer Reihe von biologischen Prozessen beteiligt, einschließlich der Regulation von Stimmungslage, Schmerzempfindung, Appetit und Gedächtnis.

Die Rezeptoren können sowohl durch körpereigene Endocannabinoide, als auch von pflanzlichen Cannabinoiden aktiviert werden. CB 1 -Rezeptoren finden sich hauptsächlich im zentralen Nervensystem und in kleineren Mengen in der Leber, den Nieren und der Lunge. Verschiedene Studien deuten darauf hin, dass CB 1 auch Lust, Konzentration, Appetit, Gedächtnis und Schmerztoleranz beeinflusst. CB 2 -Rezeptoren hingegen sind Teil des Immunsystems. Dort sind sie an einer Vielzahl von Funktionen wie der Immunsuppression oder der Apoptose (programmierter Zelltod) beteiligt.

Im Gegensatz zu THC dockt CBD nicht an den beiden oben genannten Cannabionid-Rezeptoren an. Stattdessen aktiviert es andere Rezeptoren, wie die Vanilloid-, Adenosin- und Serotonin-Rezeptoren. Durch die Aktivierung des Vanilloid-Rezeptors spielt CBD eine Rolle bei der Regulierung von Körpertemperatur, Schmerzempfindung und Entzündung. Desweiteren hemmt CBD die Fettsäureamid-Hydrolase (FAAH), ein Enzym das den CB 1 -Rezeptor aktiviert. Diese Hemmung ist der Grund dafür, dass CBD die psychoaktive Wirkung von THC minimieren kann.

Die Aktivierung von Adenosin-Rezeptoren durch CBD führt zu angstlösenden und entzündungshemmenden Wirkungen. Adenosin-Rezeptoren sind auch an der Freisetzung von Dopamin und Glutamat beteiligt, zwei Neurotransmitter, die im Körper eine wichtige Rolle spielen. Dopamin ist an Kognition, motorischer Kontrolle, Motivation und Belohnungsmechanismen beteiligt, während Glutamat einer der Hauptvermittler erregender Signale ist und an Gedächtnis, Lernen und Kognition beteiligt ist.

In Studien wurde gezeigt, dass hohe Konzentrationen von CBD den Serotonin-Rezeptor aktivieren, der eine antidepressive Wirkung ausübt. Derselbe Rezeptor ist an einer Reihe von weiteren wichtigen körperlichen Abläufen beteiligt. Dazu gehören Schmerzempfindung, Appetitempfinden, Übelkeit und Angst bis hin zu Schlaf- und Suchtmechanismen.

Wesentliche Unterschiede zwischen THC und CBD

Bereits vor Jahrzehnten konnten Forscher die psychoaktive Wirkung von Cannabis auf den Wirkstoff THC zurückführen. Bis vor einigen Jahren war jedoch nur wenig über die Auswirkungen von CBD bekannt. Zum einen wissen wir jetzt, dass CBD die Auswirkungen von THC minimieren kann und zum anderen hohes medizinische Potenzial in diesem Cannabinoid steckt. Die positiven Wirkungen von CBD hängen jedoch nicht von der Anwesenheit von THC ab. Daher ist es für eine medizinische Anwendung vorteilhaft Produkte mit hohem CBD-Gehalt auszuwählen.

THC ist verantwortlich für die euphorischen und bewusstseinsverändernden Wirkungen der Cannabispflanze. Der Grund dafür ist, dass THC an CB 1 -Rezeptoren bindet, die in hohen Konzentrationen im Gehirn vorkommen. Diese Rezeptoren schütten Botenstoffe aus, die die Funktionsweise des Gehirn verändern und so zum Beispiel zu einem High-Gefühl führen.

Welche Krankheiten konkret mit CBD behandelt werden können und ob mit einer Behandlung auch Nebenwirkungen verbunden sind, erfahrt ihr in unserem nächsten Artikel.