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Warum Dein Gras nach Zitrone duftet

Je nach Sorte findet man in Cannabisblüten Aromen und Geschmacksrichtungen, die uns an Früchte oder Kräuter erinnern. Warum Cannabis diese organoleptischen Eigenschaften besitzt und welche medizinische Bedeutung damit verbunden ist, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Jeder der schon mal in die Nähe von Cannabisblüten kam, kennt den intensiven Geruch, der von diesen ausgeht. Je nach Sorte enthält dieser zum Beispiel Zitrus-, Beeren-, Minz- oder Piniennoten. Diese mit der Pflanze einhergehende aromatische Auffälligkeit erschwert vor allem Konsumenten von illegalem Cannabis einen diskreten Verzehr.

Konsumenten von legalem Cannabis hingegen schätzen diese Pflanzeneigenschaften. Wie bei Lebensmitteln ist auch hier ein Trend des bewussten Konsums wahrzunehmen. Die berauschende oder medizinische Wirkung von Cannabis steht nun nicht mehr alleine im Vordergrund. Immer mehr Konsumenten interessieren sich für Sorten, die auch bestimmte Geschmacks- und Aromaprofile mit sich bringen.

Cannabis-Apotheken haben diese Nachfrage erkannt und schulen ihr Personal – sogenannte Budtender – in fachgerechter Aromaberatung. Verantwortlich für die schmackhaften Bouquets von Cannabis sind die sogenannten Terpene.

Unterschiedliche Funktionen für Pflanzen und Mensch

Terpene sind sekundäre, nicht überlebensnotwendige Pflanzeninhaltsstoffe, die hochkonzentriert im Harz der weiblichen Cannabisblüten zu finden sind. Lange Zeit war deren Funktion für Pflanzen unklar. Heute geht man davon aus, dass sie sich aus der Interaktion zwischen Pflanzen und ihrer Umwelt entwickelt haben. Viele dieser Sekundärstoffe dienen als effektive Abwehrstoffe gegen Fressfeinde oder locken durch die intensiven Aromastoffe pollenverbreitende Insekten an. Für die Cannabispflanze erfüllen Terpene sowohl eine Schutz- als auch Fortpflanzungsfunktion. Terpene schützen vor Bakterien- und Pilzbefall und anderen Umweltstressoren.

Wir Menschen erfreuen uns an den Terpenen, weil sie der Pflanzen einen wohlriechenden Duft und ein charakteristisches Aroma spendieren. Auch wenn noch weitgehend unerforscht, so geht man davon aus, dass Terpene auch medizinisch wirken. Terpene sind ein wichtiger Bestandteil, die in Kombination mit anderen chemische Substanzen, wie zum Beispiel dem Cannabidiol (CBD), angstlösend, antibakteriell, entzündungshemmend oder beruhigend wirken können.

Dieses Zusammenspiel wurde 1999 von dem israelischen Forscher Raphael Mechoulam erkannt und seither als Entourage-Effekt benannt. Auch der US-amerikanische Forscher Ethan B. Russo, bestätigt, dass dieser Kombinationseffekt zur Behandlung von Schmerzen, Entzündungen, Depressionen, Angstzuständen, Abhängigkeit, Epilepsie, Krebs, Pilzerkrankungen und diversen anderen Infektionen genutzt werden kann.

In seiner Studie von 2010 „Taming THC: potential cannabis synergy and phytocannabinoid-terpenoid entourage effects” stellt Russo dar, wie die verschiedenen chemischen Bestandteile im Cannabis sich gegenseitig beeinflussen. Nebenverbindungen, wie Terpene, können die Wirkung von Cannabinoiden verstärken oder mildern.

Laut Russo haben auf Cannabis basierende Extrakte das Potenzial Schmerzen zu lindern, Entzündungen zu hemmen, Pilzbefall und bakterielle Infekte zu behandeln, Depressionen, Angst, Süchte und Epilepsie zu mildern oder sogar Krebs zu bekämpfen.

Spinnt man diesen Gedanken weiter, so wird deutlich, dass die unterschiedlichen Cannabis-Bestandteile erst in Kombination medizinisch voll zur Geltung kommen. Werden diese Elemente vereinzelt extrahiert und in Medikamenten angeboten so sinkt höchstwahrscheinlich deren Wirkung.

Video: https://vimeo.com/107304347

Genetische Vielfalt sorgt für charakteristische Cannabissortenprofile

Im Allgemeinen sind Terpene Hauptbestandteil der in Pflanzen produzierten ätherischen Öle. Mittlerweile sind davon über 8.000 Stück bekannt. Von den nah verwandten Terpenoiden sogar über 30.000. Die Begriffe Terpene und Terpenoide werden synonym verwendet. Der kleine Unterschied liegt darin, dass Terpenoide durch Oxidation veränderte Terpene (Kohlenwasserstoffe) sind.

Bei der Analyse zahlreicher Cannabissorten hat man mittels Gaschromatographie und  Massenspektrometrie über 100 verschiedene Terpene identifiziert. Jede Sorte beinhaltet ganz charakteristische Terpentypen und Terpenzusammensetzungen. Chemisch betrachtet bildet die organische Kohlenwasserstoffverbindung Isopren (C5H8) die Grundeinheit von Terpenen. Je nachdem wie viele Isopropeneinheiten diese besitzen, werden sie in die folgenden Gruppen unterteilt:

 

  • Monoterpene bestehen aus zwei Isopreneinheiten (C10H16). Zu ihnen gehöhrten zum Beispiel Limonen, Beta-Myrcen, Alpha-Pinen, Alpha-Terpinolen und Linalool.
  • Sesquiterpene setzen sich aus drei Isopreneinheiten (C15H24) zusammen. Zu ihnen gehört zum Beispiel Beta-caryophyllene.
  • Triterpene bestehen aus sechs Isopreneinheiten (C30H48) und kommen hauptsächlich in Wurzeln, Fasern und Samen von Industriehanf vor.

 

Die Wirkungsweise und das Aroma der bekanntesten und interessantesten Terpene stellen wir euch in unserem nächsten Blog-Artikel vor. Seid gespannt, es wird aromatisch!