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Cannabis-Doping im Profisport - Was erlaubt ist und was nicht.

Doping soll Sportlern dabei helfen, bessere Leistungen bei Wettkämpfen zu erzielen. Die Welt Anti Doping Agentur (WADA) überprüft Profisportler regelmäßig auf verbotene Substanzen und Methoden, zu denen auch Cannabis gehört. Warum Cannabis überhaupt als Dopingmittel eingestuft ist und warum trotzdem viele Sportler darauf zurückgreifen, wollen wir näher erläutern.

Der kanadische Profisnowboarder Ross Rabagliati gewann bei den Olympischen Winterspielen 1998 in Nagano eine olympische Goldmedaille im Riesenslalom. Damit war er der erste olympische Goldmedaillengewinner in der Geschichte dieser Sportart. Nach seinem Sieg wurde sein Blut positiv auf Marihuana getestet. Daraufhin wurde er vom Internationalen Olympischen Comittee (IOC) disqualifiziert und seine Medaille aberkannt. Da das IOC ohne Rechtsgrundlage urteilte, hob der internationale Sportgerichtshof (CAS) diesen Beschluss umgehend auf. Seit 1999 steht der Wirkstoff THC auf der Liste der verbotenen Dopingmittel.

Neben Rabagliati haben sich mittlerweile mehrere Profisportler öffentlich dazu  bekannt, Cannabis in ihrer Freizeit oder vor und nach Wettkämpfen zu konsumieren. Darunter der Schwimmstar Michael Phelps  und diverse NFL-Profis. Erst kürzlich betonte der UFC-Star Nate Diaz, welche positive Wirkung das Cannabinoid Cannabidiol (CBD) auf ihn hat. „CBD unterstützt den Heilungsprozess. Es erleichtert dein Leben” so Diaz. 

 

Leistungssteigerung nicht im Vordergrund

Wenn man an das Klischeebild eines typischen Cannabis-Konsumenten denkt, schießen einem Bilder von antriebslosen und tiefenentspannten Menschen in den Kopf. Profisport bringt man damit zunächst nicht in Verbindung. Worin besteht also der Nutzen für Athleten, Cannabis zu konsumieren?

Wie bei Nate Diaz schwören viele Sportler auf die schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkung, vor allem von medizinischem Cannabis mit hohem CBD Gehalt. Auf süchtig machende Opiate könne somit verzichtet werden. Auch bei Ess- oder Schlafstörungen kann Cannabis eingesetzt werden. Sportler, die vor Wettkämpfen auf Grund großer Aufregung nicht schlafen können, finden so zur Ruhe. Ein ausgeschlafener fitter Körper und Geist ist schließlich eine wichtige Voraussetzung für sportlichen Erfolg. Wie beispielweise bei Canadian Olympic Snowboarder Ross Rebagliati

Auch bei Risikosportarten wird Cannabis mit hohem CBD-Gehalt verwendet. Seine angstmindernde Wirkung ermöglicht es Extremsportlern, Leistungen zu erbringen, die nur durch das Überwinden der eigenen Furcht zu erreichen sind. Kurz gesagt, kann der Konsum die Risikobereitschaft steigern. Einerseits kann Marihuana die Sinneswahrnehmungen intensivieren, andererseits aber auch die Koordination verschlechtern. Gerade bei Motorsportarten oder beim Skiabfahrtslauf steigt so das Unfallsrisiko. Aus dieser Perspektive betrachtet, kann es also zum Schutz des Sportlers Sinn machen, Cannabis als Dopingmittel zu verbieten.

 

Wer Cannabis im Profisport anwenden will, muss gut planen

 

1952 versuchte der Deutsche Sportärztebund den Begriff Doping zu definieren. Als Doping bezeichnete man die Einnahme von Substanzen oder das Anwenden von Maßnahmen, mit denen eine Leistungssteigerung bei Wettkämpfen beabsichtigt werden. In den 1960er-Jahren gründete das IOC eine Kommission, um seine Anstrengungen gegen Doping zu intensivieren. Dazu wurde eine Liste erstellt, die alle verbotenen Substanzen und Methoden enthielt. Mit der Einhaltung dieser Liste und somit der Überprüfung der Sportler, ist seither die WADA betraut.

Seit dem 1. Januar 2004 gilt ein Verbot aller Cannabinoide (also nicht nur des THCs) in allen Sportarten während der Wettkämpfe. Bis zum 13. Mai 2013 lag der Grenzwert für THC-Carbonsäure bei 15 Nanogramm pro Milliliter Blut. Seitdem wurde dieser auf aktuell 150 ng/ml angehoben. Ben Nichols, Pressesprecher der WADA begründete diese Veränderung in einem Interview mit der USA Today wie folgt: „Unseren Informationen nach betreffen positiv getestete Fälle nicht den Wettkampftag. Die Anhebung des Grenzwerts ist ein Versuch, vor allem wettkampfbezogenes Doping zu erkennen.“

Da THC-Abbauprodukte sehr lange im Urin nachweisbar sind (Tage bei sehr seltenem, Wochen bei gelegentlichem, Monate bei regelmäßigem Konsum), sollten Athleten entsprechend lange vor dem Wettkampf ihren Cannabiskonsum einstellen. Einmaliger Konsum und Dauerkonsum kann mittels Haaranalyse unterschieden werden. THC lagert sich bei Dauerkonsumenten im Haar ab.

THC-Carbonsäure lagert sich aber auch ins Fettgewebe ein und wird von dort laufend freigegeben. Dieser Umstand macht Cannabis als Dopingmittel nur schwer kalkulierbar und sie Konsumenten somit anfälliger, positiv getestet zu werden.

 

Die Antidoping-Behörde geht mit dem Zeitgeist

 

Sollte man Marihuana also überhaupt als wirkungsvolles Dopingmittel sehen? Diese Frage ist nicht eindeutig zu beantworten. Sein leistungssteigerndes Potenzial hält sich im direkten Vergleich mit anderen Substanzen eher in Grenzen. Wenn man so will, liegen die Stärken beim Konsum von Cannabis-Wirkstoffen, wie THC oder CBD, zeitlich betrachtet eher vor und nach dem Wettkampf. Nate Diazs öffentlicher Umgang mit seinem CBD-Konsum hat unter anderem dazu geführt, dass die WADA CBD von seiner Verbotsliste strich. Diese tritt offiziell ab dem 1. Januar 2018 in Kraft. Doch die Behörde rät weiterhin zum vorsichtigen Umgang. Da Cannabidiol-Produkte variierende THC-Konzentrationen enthalten können, sollten Sportler besonders aufmerksam konsumieren. Der Konsum von _allen Nicht-CBD-Cannabinoiden (z.B. THC) bleibt weiterhin verboten und wird nach wie vor als Doping-Mittel eingestuft. Positiv getestete Athleten müssen mit langen Sperren rechnen.

Dr. David Bearman, wissenschaftlicher Pionier auf dem Gebiet des medizinischen Cannabis, pries kürzlich die Vorzüge von CBD. Es wirke antiepileptisch, antidepressiv, entzündungshemmend und muskelentspannend. Diese Eigenschaften sind vor allem für Profi-Sportler interessant, die auf herkömmliche Pillen verzichten wollen.